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Sonntag, 25. September 2011

Die leibhaftige Kirche 3

...Die Kirche muss all diesem wachsenden Druck, der unabsehbar steigerungsfähigen Drohung einer auf Erden niemals zu beschwichtigen, niemals abzulenkenden Feindschaft gewachsen sein - wunderst du dich, wenn sie uns manchmal durch ihre Härte erschreckt und wenn sie uns mitunter in wichtigen Dingen ungebührlich konservativ erscheint?...

Selbstverständlich ergibt sich daraus auch Gefahr - von innen und von außen...Gefahr von außen! - dass andere Dinge, weltliche zeitbedingte, vorallem solche, deren Zeit wirklich vorüber sind, sich anklammern an die bewährte Dauerhaftigkeit dieses Felsens und dann mit ihm verwechselt werden: Regierungsformen, Gesellschaftsformen, die Stände, die ein Interesse am beharren haben, ohne es selbst noch rechtfertigen und leisten zu können - Denkformen,wissenschaftliche und pseudowissenschaftliche Theorien, pädagogische Methoden, überholte Welt und Menschenbilder.

Samstag, 24. September 2011

Die leibhaftige Kirche 2

...Immer hat die Kirche sich unter zweierlei Bildern verstanden -Fels, Haus - zugleich aber Saat, Baum und Leib. Dauer und Veränderung sind keine Widersprüche: der wichtige Begriff der Entwicklung verbindet sie...

...das "wahre" Christentum könne verloren gehen, eine häretische Meinung von sehr großer Tragweite, die dahin geht, "dass es (das Christentum) nicht als etwas Lebendiges, sondern als tote Begriffsache aufgefasst wurde, die keiner Entwicklung fähig oder bedürftig auf mechanische Art zurückgeschraubt werden könne. Das Christentum wird als immer schon fertig gewesen betrachtet; dabei läuft die Täuschung mit unter, als wüsste man noch, was biblisches Christentum sei, wenn die Stetigkeit des Bewusstseins ein Jahrhundert oder ein Jahrtausend lang unterbrochen werden könnte...

Freitag, 26. August 2011

Die leibhaftige Kirche

Es gibt das 'Erwachen der Kirche' in den Seelen. Es gibt auch das 'Sterben der Kirche' in den Seelen. Wir erleben es rund um uns, mitten unter uns, selten als plötzlichen Zusammenbruch unter dem Blitzschlag einer Katastrophe,...sondern als das langsame, schleichende, unmerkliche Sterben an Erkältung und Verarmung, an geistlicher Unterernährung und Verhärtung.
Das schleppt sich dahin, bis die Kirche ihnen nur mehr als ein Äußerliches und Fremdes drückend, fordernd, herausfordernd gegenübersteht, nur mehr als Organisation, Zwang, Machtgebilde -auch dort, und das ist wichtig, wo sich noch kein Zweifel an ihrer Lehre erhoben hat.
 
Und in wievielen Geistern kommt es weder zum Erwachen noch zum Absterben, sondern 'Kirche' ist und bleibt das unverstandene, durch die Taufe 'zufällig' auferlegte Joch, das aus Gewohnheit weitergeschleppt oder eines Tages 'erloren' wird, ohne jemals innerlich bejaht zu werden...

...der Gläubige hat in solcher Begegnung...die Nöte und Schwierigkeiten jener Verwirrten und Angefochtenen zunächst zu hören, aufzunehmen, ernst zu nehmen, auszusprechen und zu vertreten: nicht zuerst aus pädagogischen, gar aus taktischen Überlegungen, sondern aus Verpflichtung brüderlicher Liebe, welche das fremde Anliegen als das eigene erkennt. Wer soll denn 'die anderen' verstehen, wenn nicht wir? Etwa die Schadenfrohen, die Hämischen, alle, die Überläufer brauchen, alle, denen am Sterben des Glaubens gelegen ist? Zu wem gehören die Verstörten, wenn nicht zu uns? Wer soll 'schwach werden, wenn sie schwach werden', wenn nicht wir? Wer soll' brennen, wenn sie Ärgernis erleiden', wenn nicht wir?

(aus dem Vorwort, von Ida Friederike Görres, 'Die leibhaftige Kirche')
Bin gespannt auf den Rest :)