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Dienstag, 9. August 2011

Rainy Days

Welcome rain, my dearest friend!

Covering me,
surrounding me from all sides
gently kissing my lips
stroking my cheeks, holding me tight
letting me know i'm alive

Give me your hand
let's take a walk
No,
let's dance and cry together
throughout the dark
the darkness of their heart

No need to fight!
'cause with you, my friend
I walk through the night
as if it's light-
yep, you make it all bright
and make it all right :)

Dienstag, 19. April 2011

Der verdorrte Baum

Eine Fabel

Ein Gärtner, der mit strenger Hand
An seinen Bäumen schnitt und band,
Und wenn er wilde Zweige fand,
Sogleich von innerm Zorn entbrannt,
Den Bäumchen drohete, den Übermuth zu zwingen,
In eine Hecke sie zu bringen.
Der Gärtner, als er putzt und hieb,
Fand auch ein Bäumchen schlank und zart,
Von schönem Wuchs, und seltner Art,
Das aller Kenner Urtheil nach,
Ihm Frucht und Schatten früh versprach,
Das aber ihm zu hitzig trieb.
Da holt' er Binsen sich, und bald
Band er mit grausamer Gewalt
Den wilden Zögling fest an eine Stange.

Das arme Bäumchen, ach! es stand
Betrübt, und schmachtete so lange,
Bis es verdorrt an seiner Stange
Der weise Gärtner fand.

*
*                    *

Muß man, der Wildheit vorzubaun,
Die Lebensgeister dann ersticken? - -
So sah ich manch Genie erdrücken,
Das (Gott verzeih's dem Pädagogen,
Der es zu einem Nichts erzogen!)
Geschaffen ward, mit Schatten zu erfreun,
Mit Früchten süß und rein,
Den müden Wandrer zu erquicken

  Karoline Rudolphi(1754-1811)

 


Freitag, 25. März 2011

When My

 Sorrow Was Born/ And When my Joy was Born

When my Sorrow was born I nursed it with care, and watched over it with loving tenderness. 

And my Sorrow grew like all living things, strong and beautiful and full of wondrous delights.

And we loved one another, my Sorrow and I, and we loved the world about us;
for Sorrow had a kindly heart and mine was kindly with Sorrow.

And when we conversed, my Sorrow and I, our days were winged and our nights were girdled with dreams;
for Sorrow had an eloquent tongue, and mine was eloquent with Sorrow.

And when we sang together, my Sorrow and I, our neighbors sat at their windows and listened;
for our songs were deep as the sea and our melodies were full of strange memories.

And when we walked together, my Sorrow and I, people gazed at us with gentle eyes and whispered in words of exceeding sweetness.
And there were those who looked with envy upon us, for Sorrow was a noble thing and I was proud with Sorrow.

But my Sorrow died, like all living things, and alone I am left to muse and ponder.

And now when I speak my words fall heavily upon my ears.

And when I sing my songs my neighbours come not to listen.

And when I walk the streets no one looks at me.

Only in my sleep I hear voices saying in pity, "See, there lies the man whose Sorrow is dead."
 

And when my Joy was born, I held it in my arms and stood on the house-top shouting,
"Come ye, my neighbours, come and see, for Joy this day is born unto me.
Come and behold this gladsome thing that laugheth in the sun."

But none of my neighbours came to look upon my Joy, and great was my astonishment.

And every day for seven moons I proclaimed my Joy from the house-top--and yet no one heeded me.
And my Joy and I were alone, unsought and unvisited.

Then my Joy grew pale and weary because no other heart but mine held its loveliness and no other lips kissed its lips.

Then my Joy died of isolation.

And now I only remember my dead Joy in remembering my dead Sorrow.
But memory is an autumn leaf that murmurs a while in the wind and then is heard no more.

The Madman by Khalil Gibran

Dienstag, 8. März 2011

Capella



Zur Capella aufwärts schauen
Muß ich oft in stiller Nacht,
Ihr den lieben Gram vertrauen,
Der mich oft so selig macht.

Und an der geweihten Stelle
Bricht der Sehnsucht wilder Schmerz,
Und der weite Himmel wird Capelle
Für mein stille betend Herz.

Täglich muß ich Dein gedenken,
Einz'ger Freund, so ernst und mild;
Alle Lebensstrahlen senken
Sich zur Glorie, Deinem Bild.

Doch vor Allem, was zu gleichen
Deinem Wesen oft mir scheint,
Will ein Bild mir nimmer weichen,
Das dem Ernst das Milde eint.

Waldesgrün, von Sonnenstrahlen
Hell durchwoben, grünend Licht,
Scheinen Dich mir stets zu malen,
Wenn Gefühl durchs Lächeln bricht.

 
Adele  Schopenhauer

Freitag, 25. Februar 2011

Adler sind meine Gedanken

Adler sind meine Gedanken!
Flattern hoch in der Lüfte blaulichem Meer.
Adler der Lüfte sind meine Gedanken.
Fassen die Beute so hoch und hehr.
Aber das Opfer, so grausam zerrissen,
Fliehendes Leben verkündend im Schmerz -
Mußt' es verhehlend am Ende doch wissen:
Daß es das eigne verblutende Herz.

Schwäne sind meine Gefühle!
Theilen still jener Tiefe wogende Nacht!
Singende Schwäne sind meine Gefühle,
Singen der Sonne verheerende Pracht.
Aber die Gluthen, die sie beweinen,
Lieblich umhüllend in Tönen ihr Grab,
Ziehen verglimmend in zögerndem Scheinen
Schwäne und Töne zur Tiefe hinab.


(Adele  Schopenhauer)

Donnerstag, 10. Februar 2011

Anne Marie



Sie zog mit kleiner Habe
Zum reichen Bauern hin,
Doch manche schöne Gabe
Hat ihr Natur verlieh'n.

Des Hofes jungem Erben
Lacht sie in's Herz hinein;
Da will er lieber sterben
Als eine And're frei'n.

Der harte Vater schmähet
Und treibt die Magd hinaus.
Ob auch der Jüngling flehet:
Die Maid verläßt das Haus.

Sie dient im Nachbarhause
Um kärglichen Gewinn
Und Nachts aus armer Klause
schaut sie zum Hofe hin.

Der breitet weit und düster
Vor ihrem Blick sich aus;
Der Birnbaum und die Rüster
Verbergen schier das Haus.

Und wenn ein trübes Leuchten
Sich durch die Zweige bricht:
Dann reiche Thränen feuchten
Das stille Angesicht.

Im Herzen nagt der Jammer,
Zernagt des Lebens Kern;
Bald trägt zur armen Kammer
Der Priester Gott, den Herrn. -

Als Braut des Bauernsohnes
Verschmäht, du arme Maid,
Bist werth du nun des Thrones
Der höchsten Herrlichkeit.

Er, aller Himmel König,
Hat dich zur Braut erwählt;
Ihm bist du nicht zu wenig,
Er hat sich dir vermählt.

O, lache nun der Thränen,
Die thörig du geweint,
Als noch dein krankes Sehnen
Den Erdensohn gemeint.

O, schlage hoch die Schwingen,
Die mild der Tod befreit:
Du sollst nun aufwärts dringen
Zum Thron', der dir bereit. -

Die Glocken festlich läuten,
Die Jungfrau'n-Kerze scheint,
Geschmückt die Träger schreiten
Und manches Auge weint.

Die Priester milde beten,
Geh'n mit dem Kreuz voran,
Und die Gespielen treten
Im grünen Kranz heran. -

Es schwankt vor seiner Thüre
Die Bahre hoch empor -
Ob dort wohl Einer spüre
Daß er ein Herz verlor? -

Dienstag, 1. Februar 2011

Schweigen


Nicht nur still werden und den Lärm abschalten, 
der mich umgibt. 
Nicht nur entspannen und die Nerven ruhig 
werden lassen.
Das ist nur Ruhe. 
Schweigen ist mehr. 
Schweigen heißt: mich loslassen 
nur einen winzigen Augenblick verzichten 
auf mich selbst 

auf meine Wünsche 
auf meine Pläne 
auf meine Sympathien und Abneigungen 
auf meine Schmerzen und meine Freuden
auf alles, was ich von mir denke
und was ich von anderen halte 
auf alle Verdienste auf alle Taten. 
Verzichten auch auf das, 
was ich nicht getan habe, 
auf meine Schuld - und auch auf alle Schuld
der anderen an mir, 
auf alles, was in mir Unheil ist. 
Verzichten auf mich selbst. 
Nur ein Augenblick DU sagen 
und Gott da sein lassen. 
Nur einen Augenblick sich lieben lassen 
ohne Vorbehalt ohne Zögern bedingungslos
und ohne auszuschließen, 
daß ich nachher brenne. 
Das ist Schweigen vor Gott. 

Dann ist im Schweigen 
Stille und Reden 
Handeln und Leiden 
Hoffen und Lieben zugleich. 
Dann ist Schweigen: Empfangen. 

Auf dieses Schweigen weiss ich keine Antwort als:
neues Schweigen, 
weil Gott größer ist, 
weil jede versuchte Antwort zu klein gerät. 

Und doch habe ich keine Angst 
zu reden und zu handeln, 
weil das Schweigen eines Augenblicks 
vor Gott 
und mit Gott 
und in Gott 
die lauten Stunden erlöst. 

(Annette, 20 Jahre, Schweige-Wiese Taizé, 12.10.1977)

Sonntag, 23. Januar 2011

DIE VOLLKOMMENE WELT


Gott der verlorenen Seelen, 
der du verloren bist unter allen Göttern,
höre mich!
Gnädiges Schicksal, das über uns irren, 
wandernden Seelen wacht, 
höre mich! 
Ich lebe inmitten einer vollkommenen Welt, 
ich der Aller-unvollkommenste.
Ich, ein menschliches Chaos, 
ein Nebel aus vertauschten Elementen, 
bewege mich zwischen vollendeten Welten - 

Menschen mit Recht und Ordnung, 
mit rechten Gedanken, 
mit geordnetenTräumen, Wunschbildern, 
die allseits bekannt und aufgezeichnet sind.

Ihre Tugenden, o Gott, sind abgemessen,
ihre Sünden abgewogen,
und sogar jene zahllosen Dinge im Zwielicht zwischen 
Tugend und Sünde haben Rang und Ordnung.
Untadelige Gesetze schreiben vor, 
was bei Tag und Nacht zu tun ist: 
Essen, trinken, schlafen, seine Bloßen bedecken,
und zur rechten Zeit müde zu sein.
Arbeiten, spielen, singen, tanzen, und still dazulie-
gen, wenn die Stunde schlägt.
Dieses denken, jenes fühlen, und mit denken und
fühlen aufzuhören, wenn ein bestimmter Stern am
Horizont erscheint. 
Lächelnd einen Nachbarn auszurauben, 
huldvoll zu verschenken, 
von oben herab zu loben,
vorsichtig zu tadeln, 
mit einem einzigen Wort eine Seele zu vernichten, 
mit einem Atemstoß einen Körper zu verbrennen,
und nach des Tages Arbeit die Hände zu waschen. 
Zu Heben, wie sich's gehört, 
auf vorgeschriebene Art Kurzweil zu treiben, 
die Götter gebührend zu verehren, 
die Teufel kunstvoll an der Nase zu führen - 
und wenn es sein muß, alles zu vergessen, wie
wenn die Erinnerung gestorben wäre.

An einer Idee Gefallen zu finden,
mit Bedacht zu meditieren, 
inniglich das Glück zu genießen,
vornehm zu leiden - 
und dann den Becher zu leeren,
auf daß der morgige Tag ihn wieder fülle.

All diese Dinge, o Gott, 
werden mit Voraussicht geplant, 
zu ihrer Bestimmung in die Welt gesetzt,
sorgsam gehegt,
nach Regeln regiert, 
vom Verstand geführt und schließlich,
wie es vorgeschrieben ist, 
geschlachtet und begraben.
Und sogar die
stillen Gräber in der menschlichen Seele sind 
gekennzeichnet und gezählt.

Eine vollkommene Welt ist es, 
eine Welt vollendeter Vortrefflichkeit, 
eine Welt grenzenloser Wunder, 
die reifste Frucht in Gottes Garten,
der Meister-Gedanke des Universums.

Aber warum, o Gott, muß ich darin leben,
ich, ein Samenkorn unausgereifter Leidenschaft, 
ein irrer Sturm, der nicht nach Ost und nicht nach Westen bläst,
ein verhehrter Überrest eines längst verbrannten Planeten?

O Gott der verlorenen Seelen, der du verloren bist
unter allen Göttern, warum muß ich hier leben?
(K.Gibran)

Mittwoch, 19. Januar 2011

Der Narr

Du fragst mich , wie ich zum Narren wurde?
Das geschah so: Eines Tages, lange bevor die vielen Götter geboren waren,
erwachte ich aus einem tiefen Schlaf und gewahrte,
dass meine Masken gestohlen worden waren -
die sieben Masken, welche ich in sieben Leben verfertigt und getragen hatte -
Unmaskiert rannte ich durch die vollen Straßen und schrie:
"Diebe, Diebe, die verdammten Diebe!"

Männer und Frauen lachten. Einige liefen aus Angst vor mir in ihre Häuser.
Als ich zum Marktplatz kam, rief ein Junge von einem Hausdach:
"Er ist ein Narr!" Ich blickte empor, um ihn zu sehen:
Da küsste die Sonne erstmals mein bloßes Antlitz.
Zum ersten Mal küsste sie mein bloßes Antlitz, und meine Seele entflammte in Liebe
zu ihr, und ich wünschte mir keine Masken mehr.
Wie in Trance rief ich: 
"Segen, Segen über die Diebe, die meine Masken gestohlen!"

So wurde ich zum Narren.

Und in meiner Narrheit fand ich Freiheit und Sicherheit:
die Freiheit der Einsamkeit und die Sicherheit vor dem Verstandenwerden.
Denn diejenigen, welche uns verstehen, versklaven etwas in uns.
Aber ich will nicht zu stolz sein auf meine Sicherheit.
Denn auch ein Dieb ist im Kerker sicher vor einem anderen Dieb.

(Khalil Gibran)

Montag, 17. Januar 2011

Liebe 3

"Es ist das ewige Erbarmen,
das alles Denken übersteigt;
es sind die offnen Liebesarme
des, der sich zu den Sündern neigt,
dem allemal das Herze bricht,
...wir kommen oder kommen nicht."
(Johann Andreas Rothe)